Hanebüchen: keine Hecke macht Kikeriki

Es gibt Wörter, zuweilen auch Worte, die bergen Fragen in sich: Wie schreiben sie sich? Woher kommen sie? Und was soll das überhaupt? Ein eher seltenes Wort, das im schriftlichen und mündlichen Sprachgebrauch vielleicht nicht oft vorkommt, ist das Adjektiv hanebüchen. Wissen Sie ganz genau, wie es geschrieben wird? Meist wird es mit h geschrieben und gerne auch hahnebüchern, also mit einem zusätzlichen r. Beides ist falsch, denn hanebüchen hat nichts mit Federvieh, und auch nichts mit bedrucktem Papier zu tun.

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Verwendung

Allein vom Klang ist es ein schönes Wort, das in einige Zusammenhängen verwendet werden kann: Es gibt hanebüchenen Unsinn, hanebüchene Lügen, jemand mag zu hanebüchener Unverfrorenheit neigen und etwas kann hanebüchen sein. Ich finde, wir sollten viel öfter hanebüchen und das Wort benutzen!

Bedeutung und Synonyme

Hanebüchen steht für unerhört, absurd, empörend, unmöglich, unglaublich, skandalös, bodenlos, ungeheuerlich, unmöglich, haarsträubend, himmelschreiend und haarsträubend.

Im übertragenen Sinne bedeutet hanebüchen derb, grob und knorrig. Die übertragenen Bedeutungen von hanebüchen können durchaus wörtlich genommen werden, stammt das Wort doch von einem Baum, der Hainbuche, die wiederum aus Hagebuchenholz besteht.

Die Hage- oder Hainbuche verfügt über einen recht glatten, seilartig gedrehten Stamm, der ihm ein knorriges Aussehen verleiht. Das Holz gilt als besonders hart und widerstandsfähig. Eine Hainbuche ist keine Buche, sondern ein Birkengewächs, und nicht mit der uns bekannten echten Buche, der Rotbuche, verwandt. Hanebüchen stammt von einer älteren Form, die wir heute nicht kennen, dem Adjektiv hagebüchen, das wiederum von dem mittelhochdeutschen Wort hagen-büechîn (vom Holz der hagenbuoche (hainbuche, weissbuche)) kommt.

Exkurs

Im Wörterbuch der Brüder Grimm (Die Gebrüder Grimm gibt es nicht, weil nur 2 Brüder und nicht alle Gebrüder geschrieben haben), das Mitte des 19. Jahrhunderts begonnen wurde, lässt sich das Wort hanebüchen nicht finden. Im Duden übrigens auch erst seit dem Jahr 1929.

Die Grimms notieren hainbüchen, haimbüchen, hagenbüchen und heimbüchen, ergo hat sich im 19./20. Jahrhundert etwas verändert, sonst wären wir sprachlich nicht bei hanebüchen gelandet. Hagen-dorn oder Hage-dorn stehen im Mittelhochdeutschen für den Namen des Teufels. (Nebenbei: Der Teufel und die Hölle waren die großen Angstmacher des Mittelalters, und ein Mittel, um die Menschen gefügig, gottesfürchtig zu halten und ihnen nebenbei noch ein paar Taler für Ablassbriefe zu entlocken. Das ist auch der Grund, warum es so viele Umschreibungen, Beschreibungen und Namen für den Teufel gibt: Widersacher Gottes, Antichrist, Beezlebub, Höllenfürst, Gott der Finsternis, der Gehörnte, der Leibhaftige, Meister Hämmerlein, Satan, Luzifer etc. – um nur einige zu nennen.)

Das Substantiv Hagestolz, der kauzige Junggeselle, beschreibt ursprünglich den Hagbesitzer, also den Besitzer eines mit Hagebuche umfriedeten Nebengutes. Hagestolz ist mit hanebüchen verwandt. Was dem Deutschen der Hain, also die poetische Umschreibung eines Gehölzes oder Wäldchens, ist dem Deutschschweizer der Hag, was kein Kaffee, sondern mittelhochdeutsch hac (Dorngesträuch, Gebüsch; Gehege, Einfriedung) und althochdeutsch hag (Einhegung, (von einem Wall umgebene) Stadt, ursprünglich Flechtwerk, Zaun).