Hausgemachtes Peeling aus Azuki-Bohnen

Erstaunlich, was sich Menschen alles auf die Haut oder ins Gesicht schmieren können und tatsächlich schmieren: Cremes, Masken, Ampullen, Wässerchen, Lotionen aus allerlei chemischen, natürlichen und vermeintlich natürlichen Ingredienzien und Substanzen. Warum? Damit wir schöner, gesunder oder attraktiver erscheinen oder vielleicht auch sind? Vielleicht lässt sich mit Kosmetika, also Körperpflege und Gesichtspflege, auch einfach sehr viel Geld verdienen? Und wer weiß schon, welche Inhaltsstoffe in den ganzen Schönheitsmitteln stecken? Warum überhaupt ein Peeling?

Foto: Barbara Piontek

Mir sind die vielen Produkte, ihre Hersteller und die verwendeten Inhaltsstoffe oft suspekt, und auch ein Grund, warum ich so wenige Tuben, Flaschen und Tiegel wie möglich benutzen mag — abgesehen vom überflüssigen Müll natürlich. Ich benutze nur Produkte, bei denen ich weiß, was drin ist, die nicht parfümiert sind, keine Konservierungsstoffe, keine Paraffin etc. beinhalten — und was mir und meiner Psoriasis gefällt, zum Beispiel ein Peeling.

Ein Peeling ist eine feine Sache: Die Hautdurchblutung wird angeregt, Poren erscheinen kleiner, tote Hautzellen und Creme- oder Make-up-Reste werden entfernt, Mitesser verschwinden, die Haut kann besser atmen, nimmt Wirkstoffe besser auf, sie ist weicher und strahlender. Neudeutsch heißt das Mikroderm-Abrasion oder abrasive Hautpflege, was vielleicht medizinischer und hipper klingt, jedoch nichts ändert, dafür dem Hersteller schicke Umsätze verspricht.

Es gibt sehr viele Möglichkeiten, um Haut im Gesicht, an den Füßen und am Körper zu peelen: Natürliche, künstliche und chemische Stoffe helfen dabei, Bürstchen und Lappen ebenfalls. Manche schwören auf Olivenöl mit Zucker und/oder Salz, Kaffeesatz, andere auf Produkte aus Drogeriemarkt, Apotheke oder Reformhaus. Ich mag Peeling, das nicht in Plastiktuben, -döschen oder -tütchen verkauft wird und kein Mikroplastik (als Schmirgelpartikel) enthält. Ich möchte mir keine chemischen oder künstlichen Zutaten ins Gesicht schmieren, die ich kaum aussprechen kann und von denen ich nicht weiß, was sie anstellen oder verursachen könnten. Und überhöhte Preise, die Namen statt Zutaten und Arbeitskräfte bezahlen, möchte ich auch nicht. Ich trinke keinen Kaffee, möchte meinem selbstgemachten Ölpeeling nicht beim Ranzigwerden zuschauen, mag es unkompliziert und geruchsneutral.

Leider verfüge ich nicht über eine Haut, die ohne viel Pflege auskommt und fast täglich Zuwendung haben will, daher verwende ich alle ein bis 2 Wochen ein Ganzkörperpeeling — nur was ich benutzen kann und will, das weiß ich nicht so genau. Früher war nicht alles besser, aber etwas schon: Es gab eine Zeit, da war die Sache mit dem Peeling für mich kaum ein Grund zum Nachdenken. In den 1980er Jahren eröffnete ein Body Shop in Essen, leider nicht in Bochum, sei es drum, dort gab es ein rundes, weißes Pappdöschen zu kaufen. Es war etwa sieben bis acht Zentimeter hoch und der Durchmesser betrug fünf bis sechs Zentimeter — eine handliche Größe. In diesem unauffälligen Pappdöschen verbarg sich ein pulvriger Puder: Azukibohnen-Peeling. Wie ein Salzstreuer konzipiert, schlicht, fast geruchslos, wirkungsvoll, sanft und gründlich peelend, bezahlbar (drei bis vier Deutsche Mark), ergiebig, einfach dosierbar, natürlich und umweltfreundlich — ich wurde höchst erfreut Stammkundin.

Kaum zu glauben, ich konnte mich für ein Kosmetikprodukt begeistern. Es wurde nicht schlecht und auch nicht ranzig, eignete sich für meine Haut von Kopf bis Fuß, meine Haut spannte nach dem Peeling nicht, war nicht rot und schrie auch nicht lauthals nach Cremes und Lotionen. Mein Leben war wegen diesem Bohnenpeeling vielleicht nicht besser, aber ein bisschen einfacher.

Irgendwann wurde mein Adzuki-Bohnen-Peeling aus dem Sortiment genommen, ich wich auf Seesand-Kleie-Tütchen aus. Die Mischung konnte ich ebenfalls unbegrenzt in einem Vorratsglas aufbewahren und je nach Lust, Laune und Bedarf etwas in meine Handfläche schütten, mit Wasser vermischen, auftragen und peelen. Ganz so schön, angenehm und wirkungsvoll war dieses Peeling nicht. Mein Azukibohnenpeeling konnte ich nichts ersetzen. Auch kein Schruppenhandschuh, wie sich ein kosmetisches Mitbringsel aus Holland nannte. In den letzten Jahren probierte ich mich durch günstige und teure, namhafte und namenlose, vegane, natürliche und chemische, umweltfreundliche, biologisch verträgliche, selbstgemachte und sonstige Peeling-Produkte aus Drogerien, Apotheken, Reformhäusern, Versandhandel und Onlineshops — doch so richtig zufrieden war ich nicht.

Foto: Barbara Piontek

Dann entdeckte ich im Drogeriemarkt eine Tüte Azuki-Bohnen, als Nahrungsmittel gedacht, und mir fiel das Peeling von The Body Shop ein, ich dachte nach und warf die Suchmaschinen an. Dort lernte ich ganz viel über die kleine, rote Bohne.

Azukibohnen — ein Exkurs

Ich habe nicht herausgefunden, ob die Bohnen Azuki oder Adzuki heißen. Jedenfalls handelt es sich um eine Nutzpflanze und Hülsenfrucht, die in China, Taiwan, Korea und Japan, insgesamt etwa 30 Ländern in der Gegend angebaut und zu Mehl vermahlen wird. Das passiert schon ziemlich lange, die ältesten Belege stammen aus dem 8. Jahrhundert, angebaut wird die Azukibohne wohl bereits seit mehr als 2000 Jahren.

Es gibt viele Sorten und Züchtungen, sie wird im großen Stil angebaut, ist in Asien sehr beliebt und verbreitet und eigentlich ist es etwas seltsam, dass sie im europäischen Raum kaum bekannt ist. Die enorme Vielseitigkeit der Adzukibohnen Azukibohnen sind ungemein gesund, sie beinhalten sehr viele Ballaststoffe, viel Eiweiß/Proteine, Eisen, Calcium und dazu Vitamine (besonders B-Vitamine), Folsäure, Magnesium und Mangan. Sie können leicht verdaut werden, helfen so der Verdauung und gegen Verstopfung, sind gut für den Cholesterinspiegel, den Blutzuckerspiegel, das Herz-Kreislauf-System, gegen Übersäuerung des Körpers und zur Gewichtsreduktion eignen sie sich ebenfalls. Die asiatischen Wunderbohnen sollen sogar helfen, Ödeme bzw. Wassereinlagerungen aus dem Körper zu leiten. Azuki-Bohnen sind nicht nur ein Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin, sie werden hier häufig und ganz alltäglich gegen Krankheiten der Blase, der Nieren, des Darms und der Geschlechtsorgane verwendet. Die Blätter der Bohnen sollen Fieber senken – eine Heilpflanze ist sie auch noch. Alles ohne Nebenwirkungen und für eine Bohne erstaunlich verdauungsfreundlich, sonst sind Bohnen ja eher schwer, rumpeln gerne durchs Gedärm und veranlassen Winde.

Die Adzukibohne kann frisch oder getrocknet verwendet werden, zu Mehl vermahlen werden und als Sprossen verzehrt werden. Sogar Kaffee kann aus Azukibohnen hergestellt werden. Üblich sind Suppen, Gebäck, Getränke, Brei, Marmeladen und verschiedene Gerichte. Azukibohnen im Kosmetikeinsatz

Auch wenn sie recht unscheinbar aussieht, kann die Adzukibohne noch mehr: In Asien, besonders in Japan gehört sie seit langer Zeit selbstverständlich zur Gesichts- und Körperpflege. Das liegt vielleicht an den Inhaltsstoffen, die mit Lipiden und Vitamin E das Hautbild verbessern und der Hautfeuchtigkeit zuträglich sind. Als Peeling werden sie ebenfalls schon sehr lange verwendet, denn sie reinigen sanft und gründlich die Haut, trocknen sie nicht aus und geben Nährstoffe weiter.

Adzuki-Bohnen beinhalten Saponin, das ist eine Substanz, die in Verbindung mit Wasser – geschüttelt oder gerührt – einen Schaum bildet. Das können erstaunlich viele Pflanzen, nämlich ca. 90 Pflanzenfamilien, zum Beispiel Erdnüsse, Linsen, Erbsen, Spinat, Hafer, Spargel, Fenchel, Knoblauch, Tomaten, Kartoffeln, Zwiebeln, Echtes Seifenkraut (das deswegen auch Saponaria heißt), Kastanien, Waschnüsse, Efeu, Alpenveilchen, Luzerne, Primeln, Ginseng, Quinoa und Hundsnelke.

Dieser natürliche Seifenmacher sorgt u. a. bei Azukibohnen dafür, dass sie Poren reinigen, überflüssige Hautfett und -öle absorbieren, abgestorbene Hautzellen entfernen, Poren verfeinern und öffnen und zuletzt die Durchblutung der Haut fördern. Weil sie das sanft und schonend machen, kann ein Azuki-Peeling auch bei empfindlicher Haut oder Akne verwendet werden. Mit Honig vermischt können die Bohnen zu einer Maske werden und als Face-Scrub oder Fuß-Scrub verwendet werden. Bestimmt finden sich noch viele andere Kombinationen.

Natürlich hat die Kosmetikindustrie, die chemische und ökologische, das auch längst herausgefunden: Bekannte, hochpreisige Markenhersteller nutzen Azukibohnen in gemahlener Form längst — allerdings zu Preisen, die wohl eher den Namen, denn die enthaltenen Zutaten bezahlen.

Wie sonst kann ein Hersteller 28 Gramm Azukibohnenpeeling zu einem stolzen Preis von um die 40 Euro verkaufen? Oder 50 Gramm für knapp 25 Euro? Nein, es enthält keine Zusätze, lediglich gemahlene Azukibohnen. Nö, da mache ich nicht mit! Das mache ich selbst und bin ins benachbarte Reformhaus, um Azukibohnen zu kaufen. (Gut, die Verkäuferin dachte, ich möchte die Bohnen essen.)

Getrocknete Azukibohnen: Machen wir Peeling!

Nun hatte ich supertolle Bio-Adzukibohnen aus dem Reformhaus und heruntergesetzt waren sie auch noch. Ganze 500 Gramm kleine, rote, steinharte Azuki-Bohnen – aber wie wird daraus ein Peeling, das nicht wie Schmirgelpapier wirkt? Ich bin latent rothaarig, habe also empfindliche Milchbrötchenhaut und Schuppenflechte auch noch. Hm, wir trinken keinen Kaffee und kaufen unser Bio-Mehl im Bio-Supermarket, ergo haben wir keine Mühle. Keine motorisierte und keine handbetriebene, wie die Oma im Räuber Hotzenplotz. Aber wir haben einen Mörser! Einen sehr großen, sehr schweren Mörser!

Etwas übermütig kippte ich ca. 100 Gramm der getrockneten, roten Böhnchen in den Mörser und fing beherzt zu

Foto: Barbara Piontek

mörsern an. Kleiner Tipp: Falls jemand ebenfalls einen Mörser verwenden mag, anfangs besser stoßen und den Stößel senkrecht auf die Bohnen loslassen – sie brechen auseinander und sehen fast wie Mandelsplitter aus. Drücken und drehen funktioniert später auch, allerdings dauert es ziemlich lange. Zwischendurch siebte ich die immer feiner werdenden Bohnenteile, die durch die rotbraune, zerkleinerte Schale auch farblich ansprechend aussahen. Aber vielleicht wollte ich mir die Ackerei nur schönreden. Irgendwann, nach gefühlten Ewigkeiten, in Wahrheit nach 30 bis 45 Minuten, wurde aus widerspenstigen, sehr harten Azukibohnen ein pudrig-pulveriges Peeling, das meinen Wünschen entsprach. Und in einer Menge, die mindestens für die nächsten Jahre reicht.

Alles in ein wiederverschließbares Glas gefüllt und ab ins Bad! Etwa einen Teelöffel in meine Handfläche gegeben, ein paar Tropfen Wasser dazu, mit dem Finger vermischt, bis sich eine pastenartige Konsistenz ergab und in mein feuchtes Gesicht geschmiert, in kreisenden Bewegungen über meine Gesichtshaut gerieben und abgewaschen.

Und dann?

Foto: Barbara Piontek

Überraschung 1: Es riecht wie früher. Dieser spezielle, leichte Adzukibohnengeruch, den ich sehr mag. Ein leichter Geruch nach frischen Bohnen – dafür nicht nach Parfüm und Chemie.

Überraschung 2: Es wirkt wie früher! Sanft entfernt es olle Gesichtscremereste, Hautschüppchen, Mitesser und was in meinem Gesicht sonst noch leben mag.

Überraschung 3: Nach dem gründlichen Peeling hatte ich kein rotes Gesicht und die Haut spannte nicht. Sie war einfach weich, ohne trocken zu sein.

Überraschung 4: Dieses Peeling funktioniert am ganzen Körper, ja, auch an den Füßen und am Allerwertesten — und auf Haut, die halt aussieht, wie sie aussieht, wenn ein Psoriasis-Schub abgeht und dementsprechend sensibel auf Peelings, Seifen, Duschgel und Creme reagiert.

Weitere Vorteile:

  • Ich bin unabhängig von irgendwelchen Drogerieketten und dem Versandhandel, d. h. ich produziere keinen Müll, muss nicht öfter Peeling kaufen, wegen mir fährt kein LKW wöchentlich umher und auch die Post muss mir nichts bringen.
  • Einfach zu handhaben, einfach zu dosieren, ich liebe es unkompliziert!
  • Ich habe ein wiederverschließbares Glas genommen, das funktioniert prima, eine Art Salzstreuer tut es bestimmt auch.
  • Essbar und ungiftig! Wie oft habe ich gespuckt, weil ich Peeling in den Mund, oder schlimmer in die Nase bekommen habe! Und wer weiß, was ich da alles schon heruntergeschluckt habe? Gar kein Problem beim Azuki-Peeling – es schmeckt leicht nach Bohnen, und wie wir gelernt haben, sind die sehr gesund.
  • Ich weiß, was drin ist! Gut, die Öko-Bio-Richtlinien der EU sind nicht unbedingt erfreulich und ausreichend, aber mein Adzuki-Peeling ist garantiert besser als die meisten anderen Peelings. Mein Peeling beinhaltet keine Chemie, keine Konservierungsstoffe, keine Palmöle, keine unaussprechlichen Substanzen etc. und schon gar kein Mikroplastik.
  • Es sind Adzukibohnen. Nicht mehr und nicht weniger.
  • Preiswert, ergiebig und haltbar! 500 Gramm für 1,99 Euro, wovon ich lediglich etwa 100 Gramm vermahlen habe, das heißt ca. 40 Cent für mindestens ein Jahr natürliches Bio-Peeling!

Und die Moral von der Geschichte? Ein fantastisches, preiswertes und sehr verträgliches Bio-Peeling, das ich nie wieder im Mörser herstellen werde! Hat jemand eine Kaffeemühle für mich oder einen Tipp?