Bremsklötze, Hacktätschli und Frikadellen

Letztens machte sich große Empörung in den Weiten des Netzes breit: Die schwedischen Hackfleischbällchen, die auf Schwedisch Köttbullar heißen, sind gar keine schwedische Erfindung! Das Rezept hat wohl der schwedische König Karl XII. aus der Türkei mitgebracht. Und weil sie ihm so gut schmeckten, wurde daraus angeblich das schwedische Nationalgericht.

Alles Gehacktes

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Ich bezweifle das, und denke, das schwedische Möbelhaus hat Köttbullar zu dem gemacht, was sie nun darstellen — alles Marketing. (Zur Aussprache: Köttbullar spricht sich übrigens Chöttbullar aus, mit einem weichen ch wie in ich. Übersetzt heißt das übrigens Fleischkugeln.) Köttbullar sind nichts anderes als Frikadellen, die es überall gibt.

Dabei ist es egal, ob es sich um dänische Kødboller, türkische Köfte oder deutsche Frikadellen handelt. Wobei: Meine Sprache verrät, woher ich komme. Mein Vokabular kann mich in einer globalen (und auch digitalen) Welt verorten, ergo verwende ich heimische Bezeichnungen für die Dinger.

Blöd nur, dass genau das wohl doch nicht immer funktioniert. Jedenfalls nicht, wenn es um die Wurst, ähm, Frikadelle geht, so heißt der Fleischklops nämlich offiziell in meiner Gegend, dem Ruhrgebiet mitten in NRW. Inoffiziell und weitaus häufiger ist die wenig schmeichelhaft klingende Bezeichnung Bremsklotz. Ja, wirklich, wir machen, braten und essen kalte und warme Bremsklötze mit und ohne Senf. Dabei ist es egal, ob die Dinger ein bisschen zu lange oder scharf gebraten wurden — auch eine blasse Frikadelle ist ein Bremsklotz.

An sich, denn auch Türstopper, Löwenköttel, Bauarbeiterpraline, Bärenköttel, Frikadösen und Friko kenne ich als Synonyme des Wortes Frikadelle. Mein Mann, der aus der Deutschschweiz stammt, nennt sie übrigens Hacktätschli und nur Hacktätschli. Ihr seht, es ist egal, woher wir kommen. Es ist egal, wie wir sie nennen: Bremsklötze gibbet überall!